Dienstag, 04.08.2020 07:26 Uhr

Biedermeier 2.0? Von wegen!

Verantwortlicher Autor: Gabriel Pankow LL, 07.05.2020, 22:05 Uhr
Presse-Ressort von: Thomas Christian Heidl Bericht 5941x gelesen

LL [ENA] "Vor wenigen Wochen riefen die Feuilletonisten die Renaissance der Biedermeierzeit aus. Biedermeier? Schon mal gehört. Aber was war das nochmal? Ach ja, stimmt: Es war die Zeit nach den Napoleonischen Kriegen und dem Wiener Kongress (1814/1815). Die Zeit dauerte bis zur Revolution von 1848 und war eine halbwegs friedliche. Die Biedermeier-Epoche war aber auch von Bevormundung und wirtschaftlicher Not geprägt.

Die Menschen suchten nach Geborgenheit im häuslichen Kreis. Sicher, blickt man auf unsere letzten Lock Down-Wochen zurück, finden sich da einige Parallelen. Zieht man noch die Leitbegriffe der biedermeierlichen Literatur in Betracht finden sich noch mehr Gemeinsamkeiten: Sehnsucht nach Idylle sowie Gefühle der Resignation und des Weltschmerzes. Mehr noch: Eine Erfindung in der Biedermeierzeit war auch die Entwicklung der Kammermusik. Statt in den Konzertsaal zu gehen, lauschte man der Musik zu Hause im Kreise der Familie.

Ja, auch mir kommt das bekannt vor. Kehrt jetzt also das Biedermeier zurück? Von wegen! Im 19. Jahrhundert fand der Rückzug ins Private freiwillig statt. Unser Daheim sein ist quasi ärztlich verordnet (und zwar aus nachvollziehbaren Gründen). Zudem neigten wir in den vergangenen Wochen dazu, den Lock Down romantisch zu verklären (wie viele Videos von auf dem Balkon singenden Italienern gibt es eigentlich?). Nein, an Kontakt Beschränkungen und einer kollabierenden Wirtschaft ist nichts romantisch. Ernsthaft, ich bin froh, wenn die Corona Beschränkungen gelockert werden können. Auch die meisten Leserbrief-Schreiber hoffen darauf.

Der Wunsch ist groß, zum Beispiel wieder auf Messen zu gehen, Geschäftspartner von Angesicht zu Angesicht zu treffen (natürlich mit Maske und ohne Handschlag). Auch die Lust die eigenen Kollegen mal wieder im Büro oder im Werk wiederzusehen, war wohl noch nie so groß wie heute (wer hätte gedacht, dass es mal so weit kommt?). Ein wenig Lockerung ist ja nun in Sicht. Hoffen wir darauf, dass uns keine zweite Corona-Welle trifft und wir uns im nächsten Lock Down wiederfinden."

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